> Zur Haftung beim Kitesurfen

Einem nach einem Unfall beim Kitesurfen querschnittsgelähmten Jugendlichen steht kein Schadensersatzanspruch gegen die Bekannten zu, die ihm die Kite-Ausrüstung überlassen und Starthilfe geleistet haben, weil ein pflichtwidriges und schuldhaftes Verhalten der Bekannten nicht feststellbar ist.

So entschied das OLG Hamm (Az. I-6 U 57/12) mit Urteil vom 10.12.2012 und bestätigte damit das erstinstanzliche Urteil des AG Essen.


Sachverhalt:

Der im Kitesurfen unerfahrene Kläger hatte sich am Strand in Kijduin (Niederlande) die Kiteausrüstung von den zwei Beklagten ausgeliehen. Mit Hilfe und unter Anleitung der Beklagten unternahm der Kläger einen Startversuch. Bei diesem Versuch, erfasste ihn eine Windboe und prallte gegen eine ca. 50m weit entfernte Strandbude. Bei dem tragischen Unfall erlitt der Kläger so schwere Verletzungen, dass er seither vom Kopf abwärts querschnittsgelähmt ist.

Das Begehren des Klägers auf Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von insg. 250.000 EUR blieb erfolglos.

Aus den Gründen:
Zwar haben die Beklagten den zur Verletzung des Klägers geführten Geschehensablauf in Gang gesetzt. Ein Verschulden der Beklagten konnte das Gericht jedoch nicht feststellen. Insbesondere war den Beklagten keine fehlerhafte Hilfestellung bei dem Startversuch anzulasten. So stand zur Überzeugung des Gerichts fest, dass weder eine falsche Handhabung der Kite - Ausrüstung gezeigt wurde, noch ein ungeeigneter und daher gefahrgeneigter Startplatz ausgewählt wurde. Auch haben die Beklagten den Kläger nicht bei zu viel Wind starten lassen. Bei den Beklagten handelte es sich selbst um Anfänger und waren daher ebenfalls nicht in der Lage die Windstärke am Unfalltag von 5 – 6 Bft. richtig einzuschätzen.

Interessant für Wassersportler – insbesondere für Surf- und Kiteschulen - dürfte hier die Tatsache sein, dass sich das Gericht zur Meinungs- und damit zur Urteilsbildung u.a. auf das Buch „Kite Boarding – Work- und Stylebook“ berufen hat, ein von einem Lehrteam des VDWS ( Verband Deutscher Windsurfing Schulen) geschriebenes „Lehrbuch“ für Kitesurfer.

Das vollständige Urteil kann man -> hier nachlesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar